Mit all dem Kram um die Ohren kommt eine ganze Woche Auszeit und Klettern recht. Mit Fabi hatte ich schon eine Weile die Woche geblockt, jetzt ist der Plan in der Zentralschweiz auszuharren, bis die Campingplätze frei sind.
Das müssen wir dan letztendlich gar nicht, denn ich verhaue so ziemlich alles. Nachdem mein erster Zug komplett ausfällt, verschlafe ich (mehr oder minder mit Ansage) meinen zweiten Zug. Außerdem hab ich mich nicht um Halbseile gekümmert, was ich zugesagt und vorhatte. Schande, Chaos. Irgendwann am Samstagnachmittag finde ich dann aber eine gute Verbindung nach Altdorf und treffe mich am Abend dort mit Fabi.

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| Wolkenspiel |
Der Wetterbericht spielt verrückt, wir wollten eigentlich zum Furka. Dort ist aber wohl Weltuntergang, also nach Andermatt, wo es nicht sooooo arg gewittern und regnen soll. Sieht teilweise aber schon danach aus. Am Morgen starten wir in die Schlucht, seilen zusammen mit zwei anderen Seilschaften ab und gehen zur Laura. Fabi bekommt direkt mal ein bisschen Teufelstal zu spüren, 5a und 5c wollen hier geklettert werden. Die 7a auch, wie ich merke. Mit etlichen Pausen und Stürzen komm ich rauf, mit fitteren Unterarmen wär's besser drin gewesen. Fabi müht sich in Länge vier ab, etwas unförmige Verschneidungen mit doofen Rissgrößen. Am Stand angekommen gucken wir unsre Hände an und sehen: Lieber abbrechen, sonst wird das nix mit der Woche Mello.
Der Notausstieg aus der Schlucht ist wesentlich besser als erwartet, die Beschreibung übertreibt hier und da ein wenig.
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| Fabi in der zweiten Länge. |
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| Ich in der Verschneidung der dritten Länge |
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| Die dritte Länge von oben gesehen. |
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| Raus aus der Schlucht. |
Die Fahrt in den Süden ist eindrücklich, Fabi ist öfter bei den Seen, mir ist das zu Mittelmeer. Palmen, wtf was soll das hier?
Bald sind wir im Mello. Wie tausende Touris. Ach stimmt, sind wir auch. Doof. Dann wieder zurück...... Geht nicht, die Wände sehen so gut aus!
Tag eins fangen wir die Il Risveglio di Kundalini an. Geniale erste Länge, die Crux der zweiten Länge löst sich gut auf, der Quergang einfach Sahne. Dann aber Länge drei: ein Splitter unter Splittern! Fabi darf sich dieses Stück besten Klettergenusses gönnen. Die Länge drauf kann wohl drangehängt werden. Versucht Fabi, aber der Kamin ist irgendwie komisch und ein Cam hat sich vom Gurt gelöst und der Schwerkraft nachgegeben. Dooferweise ein Totem. Mist. Ich komme nach, steige den Kamin vor. Ja, wirklich weirdes Ding. Öffnet sich nach außen, aber sehr unregelmäßig, normal Schrubben klappt nicht so. Aber spaßig! Fabi ächzt auch im Nachstieg aus dem Dunkel des Kamins. Verständlich, wer nicht gerne normales Geschrubbe klettert ist hier ordentlich gefordert. Wir entscheiden uns, eine Rettungsmission zu starten. Totem. Beim Abseilen findet Fabi den Cam, wir versuchen von einem gebüschigen Band weiter abzuseilen. Aber das Seil kommt nicht. Also wieder am Seil rauf, zum unbequemen Normalhakenstand unter dem Kamin. Hier kommt das Seil und wir seilen ab.
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| Dimore degli dei. |
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| Fabi am Einstieg. |
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| Die Crux ist geschafft. |
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| Die zweite Länge von oben. |
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| Fabi im Splitter in L3. |
An Tag 2 im Valley ähhh... Val di Mello steigen wir zur Luna Nascente zu. Bzw. nur teilweise, denn mein Kreislauf sagt nein. Also wieder zurück. Bisschen chillen, Wasser, Lesen, Baden.
So werden die nächsten Tage auch aussehen. Das Wetter ist beständig unbeständig. Immerhin bringt's mich zum ersten Mal "richtig" Bouldern am Fels, meinem ersten Highball und meinem ersten Partnerboulder im Abstieg am Fels.
Dann: das Wetter scheint zu passen. Immerhin. Vorletzter Tag. Also wieder rauf zur Luna Nascente. Bzw. versuchend. Die Unwetter haben den Steilwald ordentlich aufgewühlt, die Wege sind kaum mehr sichtbar und manches Buschwerk verschränkt den Pfad. Aber nach Ewigkeiten an Gesuche ist der Einstieg auch gefunden. Sogar mit fließend Wasser. Perfekt.
Dooferweise ist der Kamin nicht fließend Wasser, aber zumindest klamm. Ein kräftiger Zug aus einem überhängenden Riss an eine glitschige Leiste geht besser A0, schade. Länge zwei ist aber auch nicht ohne. zuerst ein komischer Spreizschritt, dann ein ordentlich pumpiger Untergriffquergang. Länge drei führt eine geniale Verschneidung rauf, Länge vier dann verschiedene Risse. Länge fünf macht mich bekannt mit süßen Fledermäußen. Also, ich gehe davon aus dass sie süß sind. Laut sind sie nämlich auf alle Fälle, ich bin wohl zu imperialistisch drauf. Also noch zwei Züge ohne guten Griff weiter. Geht. Oben dann nochmal ordentliches Bouldern an wannenartigen Strukturen, geilo! In Länge sechs darf Fabi wieder ran, und es ist ein Fest: Abklettern, Offwidth, Traversen, Ausgesetztheit ohne Ende. Mit nem 5er-Cam nur aufs Terrain bezogen, ohne auch ein bisschen auf die Absicherung. Aber nach diesem Fest an Seillänge kommt direkt das nächste: Genialer Splitter, von Offhands bis Finger. Ich bin im Flow. Zum Stand hinweg geht's über eine Platte mit seichtem Riss, ein Vorgeschmack auf die letzten zwei Längen.
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| Fabi in L2, kurz bevors losgeht. |
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| L3 von oben, traumhaft! |
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| L4 bleibt dem Motto "Verschneidung" treu. |
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Die Fledermäuse in L5 lassen Fabi in Ruhe. |
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| Fabi startet ins Fest von L6. |
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Der Ausstieg aus L6, geniale Länge! | Die Platten von L7 |
In der vorletzten Länge darf Fabi einem Quarzband nach links (immerhin richtig!) folgen das sind mehr oder minder 30m mit einer Sicherung in der Mitte. Am Ende der Länge darf er den Stand selbst an Cams einrichten. Gerne viele Cams dazu, die letzte Länge braucht kaum was. Und ja, die letzte anscheinend berüchtigte Länge. Zuerst dem schrägen Riss folgend geht's rechts aufwärts, recht gut absicherbar. Nach 10m ist dann aber Schluss. Zwei Normalhaken im Riss sind verbunden. Schräg links rauf: ein Plattenmeer. Da geht's jetzt rauf. Also los. Der erste Aufschwung ist ca. 10m hoch und 5a. Weit über der letzten Sicherung. Geil, es flowt einfach nur. Keine Gedanken an Sicherung verschwenden zu müssen. Daraufhin kommt aber nicht etwa wieder Struktur, nein, das Plattenmeer bleibt. Nur etwas flacher. So geht's zum Ausstieg immer noch ohne Sicherung. Geiles Zeug!
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| Das Quarzband in L8. |
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| Riss - absicherbar, Platte - nicht absicherbar. L9. |
Der Abstieg beschert uns noch ein unerwartetes Canyoningerlebnis inklusive krassestem Seilknoten, den ich je hatte: 60m Klumpen. Im Bach. 30min Dauerdusche beim Entheddern. 3m über dem Stand. Unnötig. Unten sind wir kurz vor der Dunkelheit, aber happy. Geniale Route, ein Mordsspaß.
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| Der Abstieg ist auch nochmal ein wenig abenteuerlich. |
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| Canyoningerfahrungen. |
Der letzte Tag bricht an. Doof. Wir gehn noch an den Trapezio d'Argento. Ein kleiner Felsriegel, aber mit schicken Sachen. Gut gebohrte Platten, weniger gut gebohrte Platten, gar nicht gebohrte Platten, all das gibt's da. Ich steige in die erste Länge der Nuova Dimensione ein. Genial, Platten ohne Haken und mit spannender Absicherung, die überlegt sein will. Geil! Am Stand angekommen, dünkt mir warum das Ding so heißt: Die Linie zieht nach rechts oben über Platten. Steile, ziemlich glatte Platten. Das nächste Bisschen Struktur ist ca. 8 oder 9 Meter weiter oben, dort stecken auch Normalhaken. Bis dahin: 6a+ Platte vom Stand weg. Ich muss auf Toilette, also erstmal nicht. Fabi klettert dann noch die direkte Platte rauf zum Stand, oder zumindest Teile davon. 5c+ aber abartig harte Stelle. Ich hänge zweimal. Nach dem Erlebnis muss ich nicht ins unabgesicherte Plattenbouldern. Auch wenn der Flug nicht auf nem Band enden würde, sondern einfach nur weit wäre. Schade.
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| Der geniale Quergang in "Nuova Dimensione" |
Wir klettern noch eine 5a, die Fabi in einem durchzieht. 5a, ohne Haken auf den ersten 15m. Platte. Soll er auch noch bekommen, nachdem er in der Luna Nascente drum herum kam. Und dann ist auch schon Heimfahrt angesagt.
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| Platte zum Abschluss. |
Im gemütlichen Bus geht's mit überhitzten Füßen (die Klimaanlage war auf verdammt warm, damit der Motor bergauf nicht überhitzt) zum Splügenpass. Süßes Örtchen, wir bleiben. Am nächsten Vormittag fährt von Chur ein Zug mit mir nach Freiburg und Fabi im Auto gen Heimat. Geiles Zeug!
Facts: Val di Mello
Schwierigkeit: Ab 6a geht's so richtig los
Charakter: Klassisch - im besten Sinne! Ich habe selten so wenige Bohrhaken eingehängt, ohne ernsthafte Klettereien zu klettern. Hier ist das aber ziemlich usus! Genial! Viel Piazkletterei, aber auch Platten. Einige gebohrt, einige auch nicht und spannend. Eher ein Gebiet für moralisch gefestigte Menschen.
Absicherung: klassisch, gebohrt, gibt alles. Wobei das Meiste eher psychisch anspruchsvoll ist.
Material: 60m-Halbseile, zwei Racks. Für den "Ruhetag" Crashpad oder Wanderschuhe.
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