2025: Weinen lernen - Ein persönlicher Rückblick
Wer sich 2025 auf meinem Blog umgesehen hat, wird bemerkt haben dass hier scheinbar wenig los war. Scheinbar, denn ich habe in der Tat so wenig (Berg-)Sport betrieben wie selten in meinem Leben, aber ich habe mich eben auch politisch organisiert und bemerkt, wie gut mir das tut. Bei all dem Schwachsinn, der auf der Welt so abgeht, ist's eben bitternötig.
Angefangen hat die ganze Politikgeschichte bei mir natürlich schon viel früher. Nur organisiert hab' ich mich bisher noch nie richtig. Bekanntlich hilft eine Gruppe ja beim Verarbeiten starker Ohnmachtsgefühle. Und die sind in den politisch-turbulenten Zeiten deutlich zu spüren.
Ich durfte im vergangenen Jahr beim Aufbau einer coolen Struktur und Gruppe helfen, was mir viel Energie gegeben, aber in Auseinandersetzung mit alt"bewährten" Strukturen auch genommen hat. Aber ich darf mich jetzt auf ein Jahr 2026 freuen, in dem wir voraussichtlich sehr viel stärker gegen die Bedinungen ankämpfen werden können!
Während's in meinem politischen Wirken - ich würde es auch als konspiratives Wirken bezeichnen - bergauf ging, ging in meinem Bergsportjahr eher bergab. Im Frühjahr konnte ich mit Jakob noch die Yetirutsche an der Madrisa angehen, eine Wühlmausaktion erster Güte mit kurzen Stellen Mixedkletterei. Danach war ich kaum mehr in den Bergen. Vereinzelt am Salbit, Göschenen oder Teufelstalwand. Eine sehr gute Woche im August im Val die Mello hat die Motivation fürs Klettern wieder richtig aufbauen können, nur war die Politik danach irgendwie trotzdem immer präsenter. Und wenn nicht, dann haben mir meine Innereien auch gut und gern mal den Tag versaut. Aber hilft ja nix!
Generell hatte ich selten Jahre, in denen ich so wenig Sport getrieben habe wie 2025. Das wird meine Hauptbaustelle für das kommende Jahr, denn ich habe definitiv Lust und es gibt mir auch viel zurück.
Ob da (ambitionierter Bergsport) weiterhin so groß dabei sein wird, wage ich allerdings eher zu bezweifeln, zu wenig Platz hat es dafür in meinem Leben. Nur leider gibt mir die Sache wirklich viel... Mal abwarten!
2026 sollte ich dann unitechnisch auch mal meine Bachelorarbeit angehen. Ich habe bisher nur wenige Ideen, ich weiß nur dass es politischer Natur werden sollte. Sonst wird das nix.
Emotional hat mich 2026 umgehauen, in mehrerlei Hinsicht. Zum Einen war ich nie durchgehend so stabil wie seit meinem letzten Lohnarbeitstag im November 2024. Andererseits habe ich zum ersten Mal wirklich gespürt, dass ich doch irgendwie Weinen kann. Witzigerweise kam es bisher immer nur dazu, wenn ich rührende Situationen erlebt habe. Insbesondere in der Bündnisarbeit mit migrantischen und palästinasolidarischen Gruppen, aber auch beim Schauen von Filmen mit politischer Bedeutung, in Andor die Widerstandsbewegung z.B. oder Filme über den Mauerfall oder oder oder. Das erste Mal aufgefallen ist es mir aber am 15. Mai, dem diesjährigen 77. Jahrestag der Nakba. Kennt kaum ein Mensch, wird nämlich auch gerne totgeschwiegen. Aber an dieser kleinen Ausstellung von aus Palästina geflüchteten Menschen und ihren Solidarstrukturen zu sehen, dass es Menschen gibt, die erst mal darum kämpfen müssen, dass ihr Leid wahrgenommen, anerkannt oder was auch immer wird, ehe weitere Schritte passieren können, hat mich erwischt. Zu sehen, dass wir als Menschheit irgendwie versagt haben, wenns nicht konkret um uns selbst geht, dass wir blind zu sein scheinen was das Erleben von anderen Menschen angeht, aber auch dass es Strukturen gibt, die genau das sichtbar machen können und wollen!
Ich stand also da, zwischen den Tafeln mit Text, Bildern und anderen Quellen, und die Tränen liefen mir über die Wange. Hatte ich danach auch nochmal beim palästinensischen Weihnachtsmarkt. Einem Ort, wo unendlich tolle Menschen zusamme Essen, Musik und Kunst sowie Handwerksarbeit ausgestellt und für Spenden verkauft haben. Die Stimmung vor Ort war gigantisch, ein Raum voller Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, die aber auf irgendeine Art und Weise verbinden und uns alle an entsprechendem Ort zusammenkommen lassen.
Ich war außerdem in Berlin, für eine Fahrt für Neumitglieder der Partei die Linke (PdL) mit dem Bundespresseamt. Auf dieser Fahrt habe ich den Großteil der Hoffnung, die ich in die demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen hatte, verloren und bin auf der Rückfahrt tatsächlich auch wieder aus der PdL ausgetreten. Mit allem, was seitdem passiert ist, bin ich da tatsächlich auch froh drüber, denn ich hatte über das Jahr hinweg versucht, mich einzubringen, was aber teilweise nicht so gern gesehen wurde wie es immer kommuniziert wurde. Und letzten Endes sind die Parteistrukturen meines Erachtens zu träge, um einen wirklichen Wandel angehen zu können. Sollte das auch - wider der Erfahrungen der letzten Wochen - ein Ziel sein.
Seit Berlin habe ich also mein Engagement auf eine weitaus sinnvollere Organisation gebündelt, wo ich mit anderen, superlieben und supermotivierten Menschen wirklich sehr optimistisch in die Zukunft blicke - trotz allem, was so abgeht.
In Berlin habe ich aber auch eines, wenn nicht das tollste politische Erlebnis gemacht. Dafür musste ich nur das offizielle Programm verlassen, was der BPA-Mensch nicht so gern gesehen hat. Aber wenn schon das Berliner Gesundheitsministerium von Menschen mit Behinderung und ihren Assistenzmenschen besetzt wird und eine Räumung kurz bevor steht, dann ist das Politik in the Making, wo allein Präsenz hilft. Dort angekommen habe ich mit einer Genoss:in mit den Menschen vor Ort geredet. Die Assistenzen bekommen direkt bei den Behinderten angestellt 340€ weniger als über einen Pflegedienstleister, obwohl es einen Tarifvertrag gibt. Nur wurde der zum Zeitpunkt nicht anerkannt. Im Gespräch kommen immer wieder neue Menschen dazu, ein Journalist der taz erzählt uns etwas, dann beteiligt sich eine mutistische Person klinkt sich per App am Gespräch und erzählt von ihren Erfahrungen und berichtet, was im Amt so abgeht. Ich habe noch nie zuvor einen so inklusiven Raum kennengelernt, in dem ohne konkret Arbeit oder Verweis ein solches Miteinander einfach existierte. Später, als nach einer Verhandlung mit optimistischerem (?!) Ausgang die Besetzer:innen kollektiv freiwillig herauskommen, mit dem Versprechen sich weiter für die gleiche Bezahlung und die Möglichkeiten einzusetzen, sollte nichts passieren, war ein sooo starker Moment. Und mir liefen wieder Tränen aus den Augen.
Mit diesem doch ganz positiven Ende verabschiede ich mich ins neue Jahr, wünsche einen allseits guten Rutsch und Wünsche mir mal noch ein paar Sachen für 2026:
FREE PALESTINE
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT
FRIEDE DEN HÜTTEN, KRIEG DEN PALÄSTEN
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